Das Evariste Galois Archiv

'Tout voir, tout entendre,  ne perdre aucune idée', Evariste 
    Galois, 29/Oct/1831

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Ein politscher Aktivist

Galois war schon während seiner Schulzeit auf dem Louis-le-Grand an Politik interessiert, denn wie Dupuy in seiner Biogrfie schreibt, war einer der Gründe, weshalb er zur École Polytechnique wollte, das rege politische Leben an dieser Schule. Der Hauptgrund war natürlich die hervorragende Ausbildung die dieses Institut ihren Studenten bot. Aber seine politischen Aktivitäten starteten hauptsächlich an der École Normale. Er freundete sich mit Auguste Chevalier an, der ein Student im zweiten Jahr war. Auguste und sein Bruder Michel, der an der École Polytechnique studierte, hatten einen großen Einfluss auf Galois. Die beiden Brüder waren begeisterte Anhänger des Saint-Simonianism. Comte de Saint-Simon (1760-1825), alias Claude Henri de Ronvroy, verknüpfte frühen Sozialismus mit Positivismus in seiner Philosophie. Seiner Ansicht nach sollte die Gesellschaft nach industriellen Gesichtpunkten orientiert werden und die Rolle der spirituellen Führer sollte von Wissenschaftlern übernommen werden. Die Studenten der École Normale waren von den Ereignissen der Juli-Revolution begeistert. M. Guigniault, der damalige Direktor, wollte verhindern, dass seine Studenten an diesen gefährlichen Ereignissen teilnähmen. Deshalb ordnete er an, dass sie innerhalb des Gebäudes blieben und er ließ alle Tore abschließen. ZU diesem Zweck ließ er auch alle Tore verschließen - die meisten Fenster waren sowieso verriegelt. Er erinnerte die Studenten an ihren Schwur, dem Staat zu dienen, was sie bereits zu Beamten machte. Galois wollte unter allen Umständen teilnehmen und versuchte über die Mauern zu klettern, was jedoch misslang. Er zog sich Schürfwunden an Händen und Knien zu. Charles X musste aus Frankreich fliehen und Louis-Philip übernahm die Krone. Cauchy, derberühmte Mathematiker, folgte Charls ins Exil. In den auf die Juli-Ereignisse folgenden Monaten hatte sich Galois der "Société des Amis du Peuple" (Verein der Freundes des Volkes) angeschlossen). Diese Organisation war erst in diesem Jahr gegründet worden und ihre Mitglieder waren auch die aktivsten und aggressivsten der republikanischen Partei, Sie wurden als sehr gefährlich vom größten Teil der Presse, vor allem von der von der Regierung kontrollierten, eingestuft. Galois schien in ständigem Konflikt mit Guignault gestanden zu haben. Galois irritierte ihn mit seinen Vorschlägen: Er wollte, dass Uniformen eingeführt würden und zwar solche wie an der Ecole Polytechnique, also in militärischem Stil. Galois forderte auch, dass die Studenten Waffen tragen dürften, um sich militärisch auszubilden. Allem Anschein nach, distanzierten sich die meisten Studenten von Galois und seinen radikalen Ideen. Wegen eines anonymen Briefen an die "Gazette des écoles" wurde Evariste Galois am 9. Dezember von der Schule verwiesen, was offiziell am 4. Januar bekannt gemacht wurde. In diesem Brief wurde der Direktor getadelt und beleidigt für sein Verhalten während der Juli-Revolution. Galois hatte sich nie zu diesem Brief bekannt weder seinen Kommilitonen noch gegenüber dem Direktor. Galois verpflichtete sich sofort bei der Artillerie der Nationalgarde, die fast gänzlich aus Republikanern bestand. Am 15. Dezember begann vor der "Chambre des pairs" das Gerichtsverfahren gegen vier Ex-Minister von Charles X. Man legte ihnen Hochverrat zur Last. Viele Leute auf der Straße verlangte die Todesstrafe für sie. Am 21. Dezember, am Tag der Urteilsverkündung, war die Lage äußerst gespannt. Die Artillerie hatte geplant zu revoltieren, falls nur ein Lebenslänglich statt Exekution herauskäme. Aber obwohl das Urteil nicht ihren Vorstellungen entsprach, kam es nicht zu der Revolte. Am 31. Dezember 1830 entlässt Louis-Philippe General Lafayette und löst die National Garde auf. So kam es, dass Galois nun weder Student noch Mitglied der Nationalgarde versuchte eine private Algebra-Klasse zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes zu gründen. Seine Mutter war nicht in der Lage ihn finanziell zu unterstützen. Sein Kurs startete wie geplant am 13. Januar mit über 40 Stundenten, höchst wahrscheinlich hauptsächlich Freunde und keine Mathematiker, so dass es nicht verwunderlich ist, dass sie seiner abstrakten Vorlesung nicht folgen konnten. Nachdem Poisson Galois um eine neue Kopie seines Artikels (memoire) gebeten hatte, schrieb Evariste eine neue Einleitung und sandte seine Arbeit am 16. Januar zur Akademie. Neunzehn Offiziere der National Garde, die sich geweigert hatten, ihre Waffen abzugeben, wurden verhaftet und eines versuchten Staatsstreiches angeklagt. Weil dieser Prozess viel Aufsehen in der Bevölkerung von Paris verursachte, traute man sich sicherlich nicht ein unpopuläres Urteil zu fällen, und es kam zu einem Freispruch der ganzen Gruppe. Die Mitglieder der Société des Amis du Peuple organisierten zur Ehre dieser Artilleristen ein Bankett, welches am 9. Mai im Restaurant "Aux Vendanges de Bourgogne" stattfand. Alexandre Dumas, der selbst einer der Teilnehmer des Festes war, sagte in seinen Memoiren: "Es wäre schwierig in ganz Paris zweihundert Leute zu finden, die der Regierung feindlicher gegenüber stünden als diejenigen, die sich um fünf Uhr Nachmittag in der langen Halle im Erdgeschoss zum Garten versammelten" Natürlich war auch Galois einer von ihnen. Obwohl sie geplant hatten, die Polizei nicht durch Tischsprüche zu provozieren, konnten sich einige Gäste nicht zügeln und hielten feurige republikanische Reden. Aber Galois Tischspruch führte zu chaotischen Zuständen und einem verfrühten Ende der Veranstaltung. Er erhob sein Messer und sagte: " Für Louis-Philip!". Als andere seinem Beispiel folgten, verließen die meisten fluchtartig aus Furcht vor der Polizei den Raum - einige sogar durch die Fenster in den Garten. Am folgenden Tag verhaftete die Polizei Galois in der Wohnung, wo er mit seiner Mutter zusammen lebte. Die Anklage lautete: Anstiftung auf einen Anschlag auf das Leben und die Person des Königs von Frankreichs. Galois landete im Gefängnis Sainte-Pélagie, ein ehemaliges Bordell, dass 1790 in ein Gefängnis umfunktioniert worden war. Galois schrieb an seinen Freund Auguste Chevalier: " ... Ich bin hinter Schloss und Riegel ! ! ! ... Ich war derjenige, der die Geste gemacht hatte ... Aber tadele mich nicht, weil ich vom Wein benebelt den Kopf verloren hatte ... " Am 15. wurde Galois angeklagt, weil er das Leben des Königs bedroht habe. Seine Verteidigungsstrategie, wie sie seine Verteidiger Dupont ausgearbeitet hatte, bestand darin zu sagen, dass die Leute nur den ersten Teil seines Spruches wegen des zunehmenden Lärms im Saal gehört hätten. Gesagt habe er: "Für Louis-Philip, wenn er uns verrät!". Dabei habe er versehentlich das Messer, mit dem er das Fleisch während des Essens geschnitten habe, geschwungen. Nach einer langen Verhandlung lautete das Urteil auf "nicht schuldig". Kurze Zeit nach dieser Verhandlung wurde seine Memoir über die Auflösungen von Gleichungen von der Akademie abgelehnt. Poisson war ein Gutachter. Nur einen Monat nach seinem Freispruch, geriet Galois wieder in Schwierigkeiten. Die Republikaner organisierten eine patriotische Demonstration zur Feier des 14. Juli auf dem "Place de la Bastille". Sie wollten einen symbolischen Baum der Freiheit pflanzen, Ein Plakat wurde vorbereitet, um die Leute zu animieren, daran teilzunehmen. Aber die Polizei konfiszierte alle Plakate und plante alle verantwortlichen Republikaner zu verhaften. Ebenso wie bei den anderen Verdächtigen brachen sie während der Nacht vor dem 14. Juli in Galois Haus ein. Aber Galois, der gewarnt war, war nicht zu Hause. Am folgenden Tag wurde er jedoch zusammen mit seinem Freund Duchalet verhaftet, während sie durch die Straßen von Paris zogen. Er trug die Uniform der National Garde, was strengstens verboten war und darüber hinaus war er bis auf die Zähne bewaffnet. Neben seinem üblichen Messer trug er mehrere Pistolen und seinen Karabiner. Dieses Mal wurde Galois nach dreimonatiger Untersuchungshaft herb zu neun Monaten Gefängnis endend im April 1832 verurteilt.



Autor: Bernard Bychan; Letzte Änderung am: July 10, 2011


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